Heinz Kinigadner - gloryfy and the spirit of Wings for Life | ![]() ![]() |
Heinz Kinigadner, geboren 1960 in Uderns im Zillertal. Wir treffen den zweifachen Motocross-Weltmeister beim Fotoshooting in Salzburg. Der Mann mit dem Dreitagesbart, der vor den Kameras posiert, hat etwas Verwegenes an sich. Heinz Kinigadner ist ein Mann, der das Abenteuer gesucht hat. Und gefunden: „Motocross ist mein Leben, meine Leidenschaft und mein Schicksal.“ Heinz Kinigadner ist die österreichische Motocross-Legende schlechthin. Der gelernte Bäcker und Konditor gewinnt ab 1978 mehrere österreichische Staatsmeistertitel. Seine größten Erfolge feiert Heinz Kinigadner mit KTM: 1984 und 1985 wird er Weltmeister in der 250 cm3 Klasse. Dem Höhepunkt seiner Karriere folgen in den 90er-Jahren noch zahlreiche Erfolge bei Motorrad-Rallyes. Ab 1994 nimmt Kinigadner erfolgreich an der Rallye-Paris-Dakar teil. Ebenfalls im Jahr 1994 siegt Kinigadner dann noch bei der Pharaonen-Rallye, er entscheidet 1995 die Rallye Paris-Peking und 1996 schließlich die Atlas-Rallye und unzählige andere Rallies für sich. Seit 1997 ist Heinz Kinigadner äußerst erfolgreich als Sportmanager bei KTM tätig. Eine Bilderbuchkarriere möchte man meinen, wenn man diese Erfolgsbilanz liest. Dem ist aber nicht ausschließlich so - doch was in Erinnerung bleibt sind zumeist die großen Erfolge, die Siege. Nicht aber die zahlreichen Knochenbrüche zum Beispiel, die sich Heinz Kinigadner im Lauf seiner Karriere zugezogen hat. „Irgendwann habe ich aufgehört sie zu zählen“, sagt Kinigadner. Mehr als 40 sind es aber sicher. Motocross hat sein Leben geprägt, keine Frage. Am meisten wohl an jenem Tag, an dem sein damals 19-jähriger Sohn Hannes im Juli 2003 bei einem Benefizrennen in Salzburg stürzt. Die niederschmetternde Diagnose im Krankenhaus: Kompressionsbruch des fünften Halswirbels. Damit droht seinem Sohn dasselbe Schicksal wie seinem Bruder nach einem Unfall vor 25 Jahren: ein Leben im Rollstuhl. Ein schwerer Schlag für die ganze Familie. Für Sohn Hannes, der sein Leben neu ordnen muss, für seine Mutter und seine Schwester Isabell. Seine aktive sportliche Karriere hat Heinz Kinigadner mit dem Tag des Unfalls seines Sohnes beendet. An der schicksalhaften Wende seines Lebens ist er aber nicht zerbrochen. Im Gegenteil - er hat einmal mehr Größe gezeigt und das Schicksal als Herausforderung angenommen. 2004 gründet Heinz Kinigadner gemeinsam mit seinem Freund Dietrich Mateschitz die Stiftung „Wings for Life“. Mit einem klaren Ziel: die ganze Kraft und allen Ehrgeiz der Heilung von Querschnittslähmung zu widmen, indem die weltweit besten Forschungsprojekte von einem hochkarätigen wissenschaftlichen Gremium bewertet und durch die finanzielle Förderung von Wings for Life ermöglicht werden. Heinz Kinigadner will seinem Sohn und den weltweit insgesamt rund 2,7 Millionen Menschen, die mit einer derart folgenschweren Rückenmarksverletzung leben ermöglichen, irgendwann wieder auf eigenen Beinen zu gehen. Zahlreiche Botschafter aus Sport und Wirtschaft - darunter auch gloryfy - tragen dazu bei, die zur Erreichung dieses ehrgeizigen Zieles notwendigen Spendengelder zu gewährleisten. | |
10 persönliche gloryfy-Fragen an Heinz Kinigadner:
Heinz Kinigadner, wie sind Sie zum Motocross-Sport gekommen?
Heinz Kinigadner: Mein Vater war auch Motocross-Fahrer. Das hat also bereits als Kind angefangen - seit ich denken kann, war es für mich immer klar, dass ich eines Tages Motocross-Fahrer werde. Ich habe zwei Brüder und wir alle haben schon mit 6 oder 7 Jahren davon geträumt, dass wir Motocross-Weltmeister werden, jeder in einer anderen Klasse.
Was war Ihr schönster Moment, den Sie mit diesem Sport erlebt haben?
Heinz Kinigadner: Da gibt es viele, aber diese Momente sind jetzt schon sehr weit weg für mich. Da hat es Siege vor heimischen Publikum gegeben. Der erste WM-Titel in Finnland natürlich, den ich erst im letzten Rennen entschieden habe, wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Aber auch der zweite Titel ein Jahr später, kurz nach der Querschnittsverletzung meines Bruders. Mit diesem Sieg habe ich nach diesem schmerzvollen Erlebnis - mein Bruder ist ja direkt vor meinen Augen verunglückt - nicht mehr gerechnet. Aber auch die zahlreichen Rallyes und das damit verbundene Abenteuer wie die Rallye Paris-Moskau-Peking sind bleibende Erinnerungen aus dieser Zeit.
Was war der schlimmste Moment?
Heinz Kinigadner: Keine Frage, der Unfall meines Sohnes Hannes. Aber auch der Sturz meines Bruders und die Serie an Unfällen im Jahr 2004. In diesem Jahr sind drei Wegbegleiter bei KTM innerhalb kurzer Zeit bei Rallyes tödlich verunglückt, drei weitere sind nach Stürzen querschnittsgelähmt und sitzen im Rollstuhl wie mein Bruder und mein Sohn Hannes. Es gibt viele, die sich fragen, ob ich noch zu retten sei. Aber wenn ich zum Beispiel im Reha-Zentrum in Bad Häring bin, da sind Patienten, die beim Bergsteigen verunglückt sind und trotzdem auch wieder in ihre geliebten Berge zurück wollen. Natürlich habe ich mir im ersten Moment überlegt, ob ich dem Sport treu bleiben kann. Aber ich bin dann zur Überzeugung gekommen, dass ich auch eine Verantwortung trage und in meiner Position als Sportmanager bei KTM viel dazu beitragen kann, die Sicherheit der Fahrer zu erhöhen. Und es wäre vermessen, mit KTM werksmässig nicht mehr bei Rennen anzutreten, aber trotzdem weiter Rennmotorräder zu bauen.
Ihr Sohn ist im Juli 2003 verunglückt - wie haben Sie diese ersten Tage nach dem Unfall ganz persönlich erlebt?
Heinz Kinigadner: Es ist wie ein schlimmer Albtraum und man hofft Jahre danach noch, dass man munter wird und alles nur geträumt hat. Aber das ist nicht so.
Haben Sie sich manchmal auch Vorwürfe gemacht? Schließlich haben Sie diesen Sport ja in der Familie vorgelebt?
Heinz Kinigadner: Nein, nicht ein einziges Mal. Hannes war auch begeisterter Snowboarder und hat alles ausprobiert, ist mit seinen Freunden am Achensee von den Klippen ins Wasser gesprungen. Ich sage nicht, dass er leichtsinnig war. Auch bei seinem Unfall nicht. Da war ein Fahrer vor ihm gestürzt und er konnte nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Das war Schicksal, er hätte auch bei jedem anderen Sport verunglücken können. Natürlich waren bei uns immer Motorräder im Haus, das ist klar. Was Motocross betrifft, habe ich ihn weder dazu gedrängt noch habe ich es verhindern wollen - das wäre mir vermutlich auch gar nicht geglückt. Motorradfahren ist unser Leben, es hat uns geprägt, viel gebracht, aber auch viel genommen.
Was hat Ihnen damals den Mut und die Kraft gegeben zu kämpfen?
Heinz Kinigadner: Ich wäre nie Weltmeister geworden, wenn ich mich mit dem Normalen zufrieden gegeben hätte. Wenn man mit 40 anderen am Startbalken steht beim Rennen, dann muss man was Besonderes im Kopf haben und sich sagen, ich gewinne das Rennen. Genauso sehe ich das bei dem viel schwierigeren Weg, den Hannes zu gehen hat mit seiner Verletzung. Es gibt auch im Reha-Zentrum immer wieder einen, der es wieder schafft. Das ist genau das, was ich dem Hannes probiere weiterzugeben.
Wie geht es Hannes heute?
Heinz Kinigadner: Da bei ihm auch Arme und Hände zum Teil betroffen sind, ist ein normales selbständiges Leben sehr schwierig. Aber den Umständen entsprechend geht es ihm super gut. Er hat die volle Unterstützung der ganzen Familie. Vor allem seine Schwester Isabell, die ihn innigst liebt und viel mit ihm unternimmt und auf Reisen geht, ist eine besondere Unterstützung für ihn.
Sie haben das Ziel, Ihrem Sohn und allen anderen Querschnittsgelähmten auf der Welt eines Tages ein Leben ohne Rollstuhl zu ermöglich. Wie sehr glauben Sie daran, dass Ihnen das eines Tages gelingen wird? Heinz Kinigadner: Jeder Tag, den man im Rollstuhl sitzt, ist natürlich ein Tag zuviel. Bei der Gründung von „Wings vor Life“ waren wir motiviert und optimistisch. Auch, wenn wir einsehen mussten, dass medizinisch-wissenschaftlicher Fortschritt in anderen zeitlichen Dimensionen passiert, sind wir heute nicht minder optimistisch. Denn ich habe auch gesehen, dass es bedeutende Schritte vorwärts gibt. Und das sind durchaus große Schritte für die Wissenschaft. Ich weiß, dass wir das noch erleben werden, dass eine Querschnittsverletzung nicht im Rollstuhl enden muss. Das glaube ich zu 100 Prozent.
Sie glauben an den Erfolg von „Wings for Life“. Gibt es da Parallelen mit dem Unternehmer Christoph Egger, der auch daran geglaubt hat, eine unzerbrechliche Brille auf den Markt zu bringen, obwohl es Experten für unmöglich gehalten haben?
Heinz Kinigadner: Durchaus. Christoph Egger ist ein Visionär. Und ohne Vision würde es auf dieser Welt sehr langweilig sein und nicht viel Neues geben. So wie es für Christoph Egger die Vision gewesen ist, diese Brille auf den Markt zu bringen, gibt es auch bei uns die Vision, dass wir eines Tages Hannes und alle anderen Betroffenen ein Leben ohne Rollstuhl ermöglichen wollen.
Was ist der Beweggrund für die Zusammenarbeit mit gloryfy?
Heinz Kinigadner: Grund Nummer 1 ist das „unbreakable“. Das ist ein Wort, das mir sehr gut gefällt. Und das auch zu mir passt, weil es Lebensmotto ist für mich. Früher war es der unzerstörbare Glaube an Siege, an den Erfolg mit KTM, heute ist es vor allem die Vision vom Unzerstörbaren mit „Wings for Life“. Ausschlaggebender Grund war für mich aber auch gloryfy-Chef Christoph Egger. Mir gefällt seine Vision, sein Weg, den er gegangen ist. Schon allein Henry Maske als Leitfigur zu holen für die Brille, das war ein genialer Schachzug, das passt wie die Faust aufs Auge. Im wahrsten Sinne des Wortes. Christoph und ich, wir teilen eine Vision: die Vision vom Unzerstörbaren.
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